In den meisten Fällen dient eine Risikolebensversicherung der finanziellen Absicherung der Angehörigen im plötzlichen Todesfall des Versicherungsnehmers. Sollte der Ernstfall während der Laufzeit der Versicherung eintreten, wird eine vereinbarte Versicherungssumme an die Begünstigten ausgezahlt. Die Summe soll sicherstellen, dass laufende Zahlungsverpflichtungen wie z.B. Lebensunterhaltungskosten weiterhin gedeckt werden können.

 

Inhalt

  1. Risikolebensversicherung als Bedingung für eine Kreditaufnahme
  2. Vorerkrankungen erschweren den Abschluss
  3. Praxisbeispiel
  4. Anonymisierte Risikovoranfrage führt zum Ziel

 

Risikolebensversicherung als Bedingung für eine Kreditaufnahme

Eine Risikolebensversicherung kann nicht nur zur allgemeinen finanziellen Absicherung der engen Familie abgeschlossen werden. Auch unverheiratete Paare oder Geschäftspartner profitieren von einer gegenseitigen Absicherung durch eine Risikolebensversicherung, um einem plötzlichen Liquiditätsverlust im Todesfall des anderen entgegenzuwirken. Oft verlangen auch Banken die Vorlage einer Risikolebensversicherung als Bedingung für die Währung eines Kredites oder Darlehens. Der Kreditnehmer kann die Risikolebensversicherung an die Kreditsumme anpassen, um sicherzustellen, dass seine Angehörigen die fortlaufenden Raten trotz des wegbrechenden Einkommens decken können.

 

Vorerkrankungen erschweren den Abschluss

Wer eine Risikolebensversicherung abschließen möchte, sollte sich auf eine umfassende Gesundheitsprüfung einstellen. In einem oder mehreren Fragebögen stellen die Versicherungsunternehmen eine Reihe von Gesundheitsfragen, die den aktuellen gesundheitlichen Zustand und mögliche Vorerkrankungen des Interessenten darlegen sollen. Anhand dieser Daten ermitteln die Versicherer das gesundheitliche Risiko des Antragsstellers, das sich auf die gebotenen Konditionen der Versicherungsleistung auswirkt: Ein erhöhtes gesundheitliches Risiko wird in der Regel mit Risikozuschlägen auf die monatlichen Beiträge der Versicherung ausgeglichen.

Hat der Antragssteller schwerwiegende oder mehrere Vorerkrankungen oder betreibt zusätzlich ein gefährliches Hobby, können sich die Versicherungsunternehmen entschließen, den Antrag abzulehnen. Wird der Antrag einmal abgelehnt, hat der Versicherer die Möglichkeit, dies in der Sonderwagniskartei zu vermerken und die Ablehnung für andere Versicherungsunternehmen transparent zu machen. Dies gilt es zu vermeiden, da die Möglichkeiten des Versicherungsabschlusses bei einem anderen Versicherungsunternehmen durch einen Eintrag in die Kartei eingeschränkt sind.

Wie ein Eintrag vermieden und eine Risikolebensversicherung trotz schwerer Vorerkrankung abgeschlossen werden kann, zeigt das Praxisbeispiel eines unserer Mandanten, für den wir trotz HIV-Erkrankung eine Risikolebensversicherung abschließen konnten.

 

Erstdiagnosen HIV

Nach der Einschätzung des HI-Virus als Epidemie durch die WHO Anfang der 1980er Jahre ist die Forschung an Therapiemethoden weit vorangeschritten. Vor allem Aufklärungskampagnen, die in den 1990er und 2000er Jahren vermehrt von europäischen Regierungen vorgenommen wurden, sorgten für einen Rückgang der Infektionsrate. Dennoch stecken sich deutschlandweit jährlich immer noch mehrere Tausend Menschen mit HIV an – die meisten davon sind Männer.
Quelle: Epidemologisches Bulletin des RKI, 2020.

 

Praxisbeispiel: Risikolebensversicherung für eine Geschäftsübernahme

Seit Abschluss seiner Ausbildung arbeitet Herr S. erfolgreich als selbstständiger Bauleiter. Seit kurzem kann sich der gelernte Bautechniker auch Geschäftsführer nennen: Herr S. ist im Begriff, ein Unternehmen zu kaufen. Dafür muss der Bauleiter einen Kredit aufnehmen, für den die Bank den Abschluss einer Risikolebensversicherung verlangt. Herr S. vermutet, dass seine Krankenakte einem erfolgreichen Abschluss im Weg stehen könnte und wendet sich an uns als unabhängige Versicherungsmakler

 

HIV-Positiv seit fast 30 Jahren

Mit gerade einmal 20 Jahren wird bei Herrn S. das HI-Virus festgestellt. Die Diagnose ist ein Schock, ist doch gerade die AIDS-Epidemie in den Medien omnipräsent. Doch der Bautechniker hat mit seinem behandelnden Arzt ist einen wahren Glücksgriff gemacht: Der Arzt setzt Herrn S. umgehend auf eine antiretrovirale Therapie, die Anfang der 1990er Jahre die bis dato übliche Monotherapie noch nicht ganz verdrängt hat. Die antiretrovirale Therapie verspricht Herrn S. eine höhere Lebenserwartung durch die Hemmung der Virusvermehrung im Körper und die Verzögerung des Ausbruches der Krankheit AIDS.

Doch die HIV-Infektion bringt viele weitere Symptome und Erkrankungen mit sich. Aufgrund einer krankhaften Schwellung muss der junge Herr S. mehrere Lymphknoten entfernen lassen. Zusätzlich plagen ihn eine Herpes-Infektion, Hepatits A und chronische Migräne. 2015, zwei Jahrzehnte nach der HIV-Diagnose, wird ihm außerdem eine Hypersomnie, ein krankhaft gesteigertes Schlafbedürfnis, diagnostiziert, das er mit der CPAP-Therapie behandelt.

Seit mehreren Jahrzehnten lebt Herr S. nun mit dem Virus. Seine Erkrankung nimmt er nicht auf die leichte Schulter: Kurz nach der Diagnose hört der Bauleiter mit dem Rauchen auf, nimmt alle seine Kontrolltermine regelmäßig wahr, lässt seine Blutwerte prüfen und begibt sich in kardiologische Behandlung. Die medikamentöse Therapie schlägt sehr gut an. Bis heute rechnet der behandelnde Arzt nicht mehr mit einem für HIV-Infektionen typischen Absinken der Immunfähigkeit, die opportunistische Infektionen begünstigt.

Erfolg durch Anonymisierte Risikovoranfrage

Als unabhängige Versicherungsmakler wollten wir unserem Mandanten zum erfolgreichen Abschluss einer Risikolebensversicherung verhelfen, von der abhing, ob Herr S. ein Unternehmen kaufen konnte. Dazu bereiteten wir gemeinsam mit unserem Mandanten die Anonymisierte Risikovoranfrage vor, für die wir Herrn S. einige Fragebögen ausfüllen ließen. In einem allgemeinen Fragebogen gab er Alter und Größe, sowie seinen Beruf und Status als Nichtraucher an. Zusätzlich baten wir ihn, seine HIV-Erkrankung in einem Fragebogen zu Sonstigen Erkrankungen zu spezifizieren. Um den Versicherern zu ermöglichen, die umfangreichen Diagnosen und Krankheitsgeschichten individuell und informiert bewerten zu können, legte Herr S. zusätzlich Befundberichte und Blutuntersuchungen der letzten 10 Jahre sowie ein ärztliches Attest bei, in welchem der behandelnde Arzt den antizipierten Verlauf der Erkrankung beschrieb.

In einem nächsten Schritt anonymisierten wir alle Daten, die Herr S. uns vorlegte, um sie in Form einer Risikovoranfrage an mehrere Versicherungsunternehmen gleichzeitig zu geben. Auf der Basis der individuellen Krankheitsgeschichte und Behandlungsverlauf unseres Mandanten bewerteten diese das gesundheitliche Risiko. Einzig ein Versicherer aus Stuttgart war bereit, das gesundheitliche Risiko zu tragen und Herrn S. gegen einen Beitragszuschlag Versicherungsschutz zu gewähren. Unser Mandant nahm das Angebot des Versicherers an und schloss seine Risikolebensversicherung über 10 Jahre bei diesem Versicherer ab. Für eine Versicherungssumme von 200.000€ zahlt Herr S. monatlich 68,47€. Mit dem Abschluss der Risikolebensversicherung war die Bedingung der Bank erfüllt und der Bauleiter konnte das Unternehmen erwerben.